Erfurt für alle: 1. Thüringer Mietparade – ein voller Erfolg

Erfurt für alle hat einen Bericht zur Demonstration am 7.4.18 geschrieben:

Am Samstag, den 7. April 2018, fand in Erfurt die erste Thüringer Mietparade statt. Unter dem Motto „Keine Profite mit unserer Miete“ gingen rund 500 Menschen auf die Straße, um gegen steigende Mieten und den Ausverkauf der Städte zu demonstrieren. Die Veranstalter*innen zeigten sich mit der Beteiligung höchst zufrieden. „Es haben sich mehr Menschen als erwartet an der Mietparade beteiligt. Das zeigt, dass leistbare Mieten für viele Menschen eine wichtige Forderung darstellt.“, sagte Sabine Blumenthal vom Bündnis „Erfurt für Alle!“. Zur Demonstration aufgerufen hatten 18 verschiedene Gruppen und Organisationen. Gefordert wurden: der sofortige Stopp des Ausverkaufes von städtischen Immobilien und Grundstücken und eine bessere Beteiligung der Einwohner*innen an der Stadtentwicklung. „Viele Menschen wollen selbstbestimmt leben, unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten. Dies können profitorientierte Investoren nicht leisten. Deshalb brauchen wir andere Eigentumsformen wie Genossenschaften und selbstorganisierte Wohnprojekte.“, bekräftigten die Organisator*innen. „Wir werden weiter am Ball bleiben und freuen uns über rege Beteiligung.“

An der Demonstration beteiligten sich auch Menschen aus den Städten Leipzig und Berlin, wo der Mangel an leistbarem Wohnraum schon länger akut ist. Neben Redebeiträgen und Musik gab es eine Performance die das Thema Wohnen und Verdrängung künstlerisch bearbeitete. Die Demonstration endete vor dem alten Erfurter Schauspielhaus, wo ein genossenschaftlich organisierter, unkommerziell genutzter Kulturraum entstehen soll.

April 2018: Aktivismus auf der Straße und Recht auf Stadt Forum

Der gerade gestartete Monat verspricht für die Recht-auf-Stadt-Bewegungen spannend zu werden. Gleich drei größere Demonstrationen gegen #Mietenwahnsinn und Verdrängung finden in den nächsten Wochen statt.

Den Beginn macht Erfurt mit der Thüringer Mietparade „Keine Profite mit unserer Miete!“ am 7.April. Das Bündnis aus Recht-auf-Stadt-Initiativen, Studierenden, Kulturschaffenden und Gewerkschaftsjugend kritisiert die immens gestiegenen Mieten vor allem in den Städte des Bundeslandes. Die Forderungen beinhalten auch ein Ende des Ausverkaufs der Stadt an Investoren und von rassistischen Kontrollen, “. Denn die Stadt gehört uns Allen.” . Die Parade startet am 07.04.2018 um 14 Uhr am Erfurter Willy-Brandt-Platz (Bahnhofsvorplatz).

Eine Woche später am 14.April um 14 Uhr wird in Berlin eine Großdemonstration erwartet. Ein einmalig breites Bündnis von Mieterinitiativen, linken Gruppen, Mietervereinen, Stadtteilläden, Sozialverbänden und vielen mehr ruft dazu auf. Unter dem Motto “WIDERSETZEN – Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn” schreibt das Bündnis

“In Berlin werden Menschen durch steigende Mieten verdrängt. Mietwohnungen werden in Eigentum umgewandelt. Nachbarschaften werden zerstört. Soziale Einrichtungen und Gewerbetreibende finden keine bezahlbaren Räume mehr. Die Obdachlosigkeit wächst. Rassismus und Diskriminierung erschweren zusätzlich die Wohnungssuche. Selbst am Stadtrand gibt es kaum noch bezahlbaren Wohnraum. 74% sehen in den hohen Wohnkosten eine Gefahr, die Wohnung zu verlieren oder zu verarmen.”

Dagegen wird die solidarische Stadt gefordert sowie ein radikaler Kurswechsel in der Wohnungs- und Mietenpolitik! Besonders zu empfehlen ist das Mobilisierungsvideo zur Demonstration.

Im Vorfeld der Demonstration finden zudem Aktionstage “Zusammensetzen” statt.

Die dritte Demo bringt dann am 20. April, ab 16 Uhr, in Leipzig den Protest gegen steigende Mieten und die drohende Verdrängung auf die Straße. „Wir müssen heute kämpfen, wenn wir morgen in dieser Stadt noch einen Platz haben wollen!“, heißt es im Aufruf.

Die Leipziger Demo leitet dann den Höhepunkt für die bundesweiten stadtpolitischen Bewegungen ein: das 4. Recht auf Stadt-Forum am 20.-22.4. in im Leipziger Osten. Das Forum bietet zum inzwischen vierten Mal einen Ort, an dem mieten- und stadtpolitische Bewegungen aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Österreich und der Schweiz zusammenkommen, sich in Workshops austauschen und vernetzen. Noch ist die Anmeldung möglich !

Mietenwahnsinn_stoppen ist sehr gespannt auf die Debatten und Aktionen. Wir hoffen danach nehmen wir richtig Schwung, um endlich Bewegung in die unsägliche wohnungspolitische Entwicklung zu nehmen. Unsere BündnisForderungen stehen weiterhin unerfüllt im Raum. Richtig sind sie weiterhin.

Um gemeinsam zu überlegen, wie wir als Mieterinitiativen und Recht auf Stadt-Gruppen bundesweit handlungsfähig werden, laden wir während des Forums in Leipzig zu einem Treffen ein. Genauere Infos, wann und wo genau dieses stattfindet, folgen noch.

Erfurt: 07. April – Mietparade „Keine Profite mit unserer Miete!“

Euer BOOM? Unser BÄÄM!

Eine leistbare Mietwohnung? Kaum zu bekommen! Nicht in Jena, nicht in Weimar, nicht
in Erfurt. Das, was derzeit als Thüringer „Immobilien-Boom“ gefeiert wird, bedeutet für
uns Mieterinnen und Mieter vor allem eins: Mieterhöhungen. So sind die Mieten in Erfurt
von 2007 bis 2015 im Schnitt um 26% gestiegen, in Jena liegen die Kaltmieten über dem
Bundesdurchschnitt und weit über dem für Thüringen. Viele Menschen müssen einen
immer größeren Teil ihres Einkommens für das Wohnen aufbringen, haben Angst vor
Verdrängung und einem unfreiwilligen Umzug. Zuziehende haben Probleme, überhaupt
eine Bleibe zu finden. In Erfurt, Jena und Weimar mangelt es massiv an leistbarem
Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen, für Geflüchtete, für
Alleinerziehende, für Alte, …

Schuld daran ist der Immobilienmarkt, welcher der kapitalistischen Logik der
Profitmaximierung folgt. Und eine Politik, welche die Liberalisierung des
Wohnungsmarktes und die Privatisierung von Wohnraum vorantreibt. Gemeinsam
verwandeln sie die Stadt in eine soziale Gefahrenzone, in der vielen Menschen die
Verdrängung droht. Doch unser Zuhause ist kein Anlageobjekt, die Thüringer Städtekette
kein Diamantencollier. Deshalb werden wir uns am 7. April 2018 mit der 1. Mietparade
die Stadt zurücknehmen.

Recht auf Stadt? Die Freiheit nehm‘ ich mir!
• Wir gehen gemeinsam auf die Straße, weil wir den Ausverkauf und die Vermarktung
der Stadt nicht länger hinnehmen wollen. Wir wollen eine Politik, die nicht den roten
Teppich für Investoren ausrollt, sondern das Recht auf guten Wohnraum für Alle
durchsetzt.
• Wir gehen gemeinsam auf die Straße, weil unsere Städte mehr sind als Tagungszentren,
Freiluftmuseen oder Wirtschaftsstandorte mit Autobahnkreuz und ICE-Knoten.
• Wir gehen gemeinsam auf die Straße, weil wir keine Konsummeilen mit
Alkoholverboten, Gefahrengebieten und rassistischen Kontrollen wollen.
• Wir wollen in einer Stadt leben, die vielfältig, bunt und unkommerziell ist und von uns
selbst gestaltet wird.
• Wir gehen gemeinsam auf die Straße, denn die Stadt gehört uns Allen.

07.04.2018 | 14 Uhr | Erfurt | Willy-Brandt-Platz (Bahnhofsvorplatz)